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Trends: Neubau heiß begehrt, aber rar

25.01.2013 | 16:18 |  Von Beate Lammer (Die Presse)

Wer eine Wohnung sucht, will am liebsten eine neu gebaute. Doch solche sind teuer. Experten kritisieren zudem, dass zu wenige Wohnungen errichtet werden.

Könnte man es sich aussuchen, würde man am liebsten auf dem Land leben – oder aber in einer Neubauwohnung, die direkt vom Bauträger auf den Markt geworfen wurde. Diese Idealvorstellungen von Wohnungssuchenden förderte eine Umfrage der Onlineplattform Wohnnet.at und der S-Real, des Immobiliendienstleisters von Erste Bank, Sparkassen und S-Bausparkasse, unter 2386 Befragten zutage. Der Wunsch vom Leben auf dem Land scheitert zumeist am Job. „Hätte man ein mobiles Büro oder gäbe es eine gute öffentliche Verkehrsanbindung, könnten sich allerdings viele vorstellen, auf das Land zu ziehen“, sagt Peter Erlebach von Wohnnet.

Der Traum von der Neubauwohnung zerplatzt häufig am Geld. Denn während Wiener Wohnungen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren im Schnitt um 2300 Euro pro Quadratmeter feilgeboten werden, muss man für solche, die jünger als zwölf Jahre sind, zwischen 3500 und 4000 Euro hinlegen, wie kürzlich aus einer Erhebung von Immobilien.net hervorging. Auch wird nicht so viel gebaut. Im Schnitt werden in Wien jährlich zwischen 6000 und 6500 Wohneinheiten neu errichtet, sagt S-Real-Geschäftsführer Michael Pisecky. Benötigen würde man jährlich 8500 bis 10.000. Der Experte kritisiert zudem, dass zu wenig Verdichtung im innerstädtischen Bereich stattfinde. Seiner Ansicht nach könnte man bis zu 85 Prozent der Wiener Häuser aufstocken.

Ein Viertel der neuen Wohnungen ist frei finanziert, der Rest gefördert. Geförderte Projekte entstehen etwa um den neuen Hauptbahnhof sowie nördlich der Donau. Rund um die Alte Donau in der Gegend der Wagramer Straße würden auch zahlreiche Vorsorgewohnungen errichtet, stellt Pisecky fest. Doch auch der Süden, etwa die Bezirke zehn, elf, zwölf und 23, sind begehrte Pflaster für Wohnungen, die von Anlegern zwecks Vermietung errichtet werden.

Süden Wiens holt preislich auf

Das hat Auswirkungen auf die Preise, da neue Wohnungen in diesen Gegenden den Schnitt heben. Laut Wohnnet gab es die stärksten Preisschübe im Vorjahr im Süden Wiens: Wer dort kaufen will, sieht sich mit Angebotspreisen von 2627 Euro/m2 konfrontiert – das sind um 27 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Norden kletterten die Preise um 16 Prozent auf 3342 Euro. Damit holen diese Gegenden im Vergleich zu den Bezirken innerhalb des Gürtels sowie den Bezirken 13 bis 20 auf. Innerhalb des Gürtels werden nicht mehr so viele frei finanzierte Wohnungen errichtet, da dort die Grundstücke teurer sind. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Manche Gegenden werden gerade wieder entdeckt, etwa der fünfte Wiener Gemeindebezirk. Dort würden etliche Neubauprojekte fertiggestellt, erzählt die Immobilienmaklerin Margret Funk. Lange Zeit sei dort eher wenig passiert. Doch dann wurde die Nachfrage so groß, dass es sich rentierte, Altbauten abzureißen und Baulücken aufzufüllen. Außerhalb des Gürtels entstehen vor allem in Meidling, Hietzing und Liesing frei finanzierte Neubauprojekte. „Diese werden oft gemischt genutzt“, erzählt die Expertin: Selbstnutzer wohnen dort neben Mietern von Vorsorgewohnungen. Solche Wohnungen würden vielfach ebenfalls mit der Absicht einer späteren Selbstnutzung erworben, sagt Funk. Am begehrtesten seien Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. Solche ließen sich gut vermieten, während Vier- bis Fünfzimmerwohnungen zum Vermieten oft zu groß seien. Sehr kleine Wohnungen werden auch nicht gern gekauft, da sich nur wenige vorstellen können, später selbst in einer Garçonnière zu wohnen.

Während in zentraler Lage das Angebot knapp ist, halten sich außerhalb des Gürtels Angebot und Nachfrage die Waage. Ausgenommen seien die sogenannten Nobelbezirke, sagt Funk. Das sind Hietzing, Teile von Hernals, Währing und Döbling. Die Nachfrage dort ist stark, das Angebot gering. Immerhin trennten sich einige Eigentümer angesichts der hohen Preise von ihren Immobilien, was den Markt ein wenig entlasten dürfte. Auch Pisecky glaubt, dass die Zeit der starken Preissprünge zu Ende ist. In den nächsten Jahren werde es eher moderate Steigerungen geben.

Neue Mieter zahlen mehr als alte

Wer auf dem freien Markt mieten will, muss dafür im Süden Wiens laut Wohnnet mit 12,32 Euro brutto pro Monat und Quadratmeter um 16 Prozent tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr. Im Norden wurde es um fünf Prozent teurer, dort muss man sich auf Mieten in der Gegend von 13,6 Euro pro Monat und Quadratmeter einstellen – sofern man die Miete nicht runterhandeln kann.

Wer schon eine Wohnung hat, logiert günstiger. Laut Statistik Austria zahlen Wiener Mieterhaushalte im Schnitt 6,76 Euro brutto. Wer hingegen neu eine Wohnung anmietete, musste 2011 (aus diesem Jahr stammen die Zahlen, die der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft kürzlich präsentiert hat) 8,2 Euro brutto pro Monat und Quadratmeter hinlegen. Genossenschaftsmieter zahlten 6,6 Euro, neue Gemeindebaumieter 6,7, Altbaumieter 8,6 Euro. Wer auf dem freien Markt eine Wohnung anmieten musste, für die keine gesetzlichen Mietobergrenzen gelten, zahlte 10,3 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2013)