Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentare Artikel senden Senden

Ländlicher Luxus: Neue Wege, der heilen Welt den Hof zu machen

26.04.2013 | 18:30 |   (Die Presse)

„Altes erhalten und Modernes ergänzen“ lautet das Motto – wenn man denn ein Objekt findet. Die Angebote sind nämlich äußerst dünn gesät.

Bauernhaus

Auf den Mühlviertler Dreiseithöfen hatte sich das liebe Vieh seinerzeit die besten Plätze reserviert: Es residierte im West- und im Südflügel. „Fast alle dieser Höfe stehen zum Wohnen verkehrt“, weiß Diether Raffelsberger, Geschäftsführer von Engel & Völkers Oberösterreich-Mitte. „Das Vieh war seinerzeit einfach wichtiger als der Mensch, die Kühe und Schweine hatten immer die West- und Südseite, während der Wohntrakt im Norden lag, denn wenn die Bauersleute von der Arbeit heimkamen, war es eh schon finster.“ Eine Ausgangslage, die Bauherren und Architekten bei der Revitalisierung dieser Höfe vor Herausforderungen stellt und viel Kreativität erfordert.

 

Hof mit Reitplatz und Kraftwerk

Gelungen ist das bei einem Objekt, das Raffelsberger derzeit in seinem Portfolio hat: einem Landgut bei Freistadt, dessen Herzstück ein revitalisierter Dreiseithof ist. Erhalten wurde hier der originale Ostflügel – der älteste Tram datiert aus dem Jahr 1861 –, der ausgehöhlt und von innen her neu gestaltet wurde. Der West- und der Nordflügel dagegen wurden komplett neu gebaut, ohne die Harmonie des Gesamtgefüges aus den Augen zu verlieren: „Hier wurde auf alten Grundfesten komplett modern interpretiert“, so Raffelsberger, mit Handwerkern und Baumeistern aus der Region und regionalen Materialien wie dem Mühlviertler Granit sei hier über Jahre revitalisiert worden. Heute bietet das Anwesen auf dreizehn Hektar Wald und Wiese neben dem Hof mit 900 Quadratmetern Wohnfläche, sieben Schlafzimmern und einem Pferdestall mit fünf Boxen auch einen Schwimmteich, einen Reitplatz und ein eigenes Biomasse-Heizkraftwerk. Aufgerufen sind für das Ganze 3,3 Millionen Euro.

 

Begrenzter Markt

Der Markt für derartige Objekte ist ein sehr begrenzter, der von großer Nachfrage und wenig Angebot beherrscht wird. „Den Traum vom Landgut haben viele, und die wollen sich im Grunde ein Stück heile Welt kaufen“, sagt Raffelsberger. Gesucht seien vor allem Objekte in Allein- und Aussichtslage ohne störende Strommasten, wobei die Angebote dünn gesät seien. „Ein Objekt wie dieses habe ich vielleicht alle drei bis fünf Jahre einmal im Angebot.“

Im Normalfall werden die Höfe von einer Generation zur nächsten vererbt, nur wenn zwei Höfe „zusammenheiraten“ gibt es manchmal eine Gelegenheit. Dann wird einer der Höfe verkauft, das Land bleibt allerdings bei den ursprünglichen Besitzern. „Deshalb ist es auch so gut wie unmöglich, einen Hof mit adäquatem Grund zu bekommen. Der ist zwar großzügig genug für das Haus, aber selten für Tierhaltung oder Gemüseanbau geeignet“, erklärt der Experte. Und wenn das Wunschobjekt dann nach langer Suche gefunden ist, steht dem Käufer noch die Prüfung durch die Grundverkehrskommission bevor: Jeder Verkauf von landwirtschaftlicher Fläche bedarf der Genehmigung durch diese Institution, die in den Bezirken angesiedelt ist und den Verkauf und das Konzept des Neueigentümers prüft. „Wenn etwas Vernünftiges dahintersteht und jemand erneuert und investiert, sollte es allerdings kaum zu Problemen kommen“, so Raffelsberger.

 

Wiener Architekt in der Steiermark

Probleme, mit denen sich Architekt Heinz Lutter bei seinem Traumbauernhaus gar nicht erst herumschlagen musste.

Der Wiener hat das 1650 erbaute Objekt in der Steiermark lediglich gepachtet, das aber auf Lebenszeit, schließlich hat er einiges in die Revitalisierung seines Zweitwohnsitzes investiert. „Wir haben das Haus Stück für Stück renoviert, haben es so belassen, wie es ist und nur dort eingegriffen, wo etwas kaputt war“, erzählt Lutter vom langjährigen Renovierungsprozess in dem zweigeschoßigen Bauernhaus, in dem seine Gattin schon die Sommerfrische ihrer Kindheit verbrachte.

So wurden zwar notwendige Dinge wie Badezimmer und Heizung ergänzt, die alte Holzverkleidung in der Stube der Kammer wurde dagegen saniert, die Oberflächen aufgefrischt. Und auch alte Techniken kamen wieder zum Einsatz: Die Wände der „Labn“, des Vorzimmers, mit seinen gehackten Baumstämmen wurde belassen aber gereinigt, und die Fugen mit Moos versiegelt.

 

Alte Techniken, modernes Design

„Das hat man früher so gemacht“, erklärt Lutter, „man hat die waagrechten Blocks gestapelt und die Fugen mit Moos und Lehm aufgefüllt.“ Dort, wo sich das Alte nicht mehr erhalten ließ, wurde dies aber auch nicht vorgetäuscht. „Was man neu macht, soll man auch sehen und merken, und nicht geschmäcklerisch eingreifen. Wenn man versucht, etwas wieder auf alt zu machen, ist das ganz schrecklich“, so Lutter über seine Bauphilosophie.

 

Ein Architekt, der den Ort befragt

So sind die Sanitäreinrichtungen in klarem, modernem Design, und auch beim Mobiliar findet sich Modernes. Traditionell sind dagegen die verwendeten Materialien für beides: Hier wurden Lärchen-, Zirben- und Birkenholz verwendet, die Marmorplatten im Bad stammen genauso aus der Region wie die meisten Handwerker, mit denen Lutter gearbeitet hat.

Entstanden ist daraus ein wunderbares Kleinod mit einer ganz besonderen Atmosphäre, was vielleicht auch an der speziellen Einstellung Lutters zu Revitalisierungen alter Gebäude liegt: Das Besondere sei, „einen Ort zu untersuchen – was ist er, was kann er, welche Geschichte erzählt er, und was kann ich daraus machen“, so der Architekt. Das ist ihm im Ennstal gelungen. (SMA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2013)