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Alte Bäume und Urban Gardening

04.11.2016 | 16:38 |  Von Wolfgang Pozsogar (Die Presse)

Wohntrends. Ausreichend Grünraum ist für immer mehr Menschen ein entscheidendes Kriterium bei der Wohnungswahl.

Grüne Haustechnik und viel Grün kennzeichenen dieses Mischek-Projekt in der Kugelmanngasse
Grüne Haustechnik und viel Grün kennzeichenen dieses Mischek-Projekt in der Kugelmanngasse / Bild: Mischek 

In der Stadt und doch mit Blick ins Grüne – so wollen die Wiener wohnen. Diesen Eindruck wird auch die am Sonntag, den 6. November, im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) stattfindende Erste Wohnmesse bestätigen. Mehr als zwei Dutzend große Immobilienanbieter zeigen dort ihre neuesten Wohnprojekte. Bei sehr vielen Projekten ist Grünraum ein ganz wesentliches Thema: „Vor allem für unsere Kernzielgruppe, Familien, spielt der Grünraum eine große Rolle bei der Wahl ihrer Wohnung“, erzählt Andreas Holler, Geschäftsführer der Buwog Österreich.

Gemüseanbau vor der Haustür

Der Bauträger realisiert derzeit mehrere Projekte in städtischer Grünruhelage. Ein Beispiel ist die Wohnhausanlage in der Töllergasse in Wien-Floridsdorf: „Dort lebt man praktisch mitten im Wald“, sagt Holler. Dafür sorgen ein alter Baumbestand auf dem Grundstück und eine dahinterliegende Parkanlage. Im Süden Wiens, in Liesing, findet sich das Buwog-Projekt „Ernte Laa“. Die Bezeichnung verbindet den Standort Erlaa und Ernte, denn Urban Gardening ist hier das prägende Thema. Auf den Dachflächen stehen den Bewohnern Hochbeete, Gärten und Glashäuser zur Verfügung, um Grün zu pflanzen, das sich später auch essen lässt. Grün in einem etwas anderen Sinn bietet in diesem Stadterweiterungsgebiet auch eine frei finanzierte Eigentumswohnhausanlage in der Kugelmanngasse 1a, die der Bauträger Mischek auf der Wohnmesse vorstellt. Das Haus im Niedrigenergiestandard wird über eine Betonkernaktivierung beheizt und gekühlt. Wärmepumpen für die Energiegewinnung sind ebenso selbstverständlich wie eine Komfortlüftung. Solche grüne Haustechnik ist ebenfalls ein aktueller Trend im Wiener Wohnbau. Reales Grün gibt es bei diesem Projekt – bei dem die Quadratmeterpreise zwischen 3500 und 4000 Euro liegen – in Form von Eigengärten, Loggien und Terrassen.
Wie wichtig Freiflächen und Grünraum heute sind, zeigt auch ein Projekt von J+P Immobilien: Laendyard im dritten Bezirk an der Lände ist eine Anlage mit 500 Wohnungen. Sie entsteht auf den ehemaligen Siemensgründen vis-à-vis des riesigen Erholungsgebiets Prater. J+P Immobilien hat bei diesem Projekt viel vor: „Wir werden in der Anlage den historischen Dorfplatz neu definieren. Kleine Gewerbebetriebe und Lokale, aber auch konsumfreie Zonen werden für Leben sorgen“, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter, Martin Müller. Die Quadratmeterpreise liegen bei etwa 4100 Euro.

Smarte Grundrisse

Fast direkt an der alten Donau und damit mitten in einem Naherholungsgebiet liegt ein kleines, aber feines Wohnprojekt von Glorit. Sieben Einheiten werden in dieser besonderen Lage gebaut – und das zu durchaus leistbaren Preisen: Eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Grünlage und doch nahe der Stadt kostet 589.900 Euro. Günstiger und noch dazu im eigenen Haus bietet Glorit Wohnen in Essling. Um 400.000 Euro gibt es schlüsselfertige Reihenhäuser auf Eigengrund.
Aber nicht alles, was am Sonntag im MAK präsentiert wird, liegt im Grünen. Es werden auch luxuriöse Wohnungen in der Wiener Innenstadt vorgestellt – und manche davon zu vergleichsweise erschwinglichen Preisen. J+P Immobilien etwa errichtet in der Renngasse, direkt bei der Freyung, ein Neubauprojekt mit „smart luxury“, wie es Müller nennt: „Durch geschickte Grundrissplanung lassen sich auf relativ kleinen Flächen funktionelle Wohnungen schaffen.“ Das Resultat: City-Wohnungen gibt es in diesem Haus bereits ab 400.000 Euro.
Solche smarten Grundrisse, das optimale Ausnützen der Flächen, sind ein weiterer Trend beim Wohnen in Wien. Durch kompakte Anordnung der Räume und einen relativ kleinen Eingangsbereich lässt sich heute schon auf 50, 60 oder 70 Quadratmetern eine funktionelle Zwei- bis Dreizimmerwohnung schaffen. Beim Mischek-Projekt in Liesing macht die Betonkernaktivierung Heizkörper überflüssig, was das Einrichten erleichtert. Glorit hingegen setzt bei den Reihenhäusern in Essling auf Holzständerbauweise. „Gegenüber anderen Bauweisen lassen sich hier auf einem kleinen Grundstück fünf bis zehn Quadratmeter mehr Wohnfläche herausholen“, erzählt Marketingleiter Lukas Sattlegger.

Neues Flair im Altbau

Zwar prägen Neubauten derzeit das Wiener Wohnungsangebot. Aber Altbauten – und hier vor allem gekonnt sanierte – finden nach wie vor ihre Käufer. Als Beispiel dafür nennt Sandra Bauernfeind, Leiterin Wohnimmobilien bei EHL, ein durchgreifend revitalisiertes Gründerzeithaus in der Kolingasse. „Hier gelingt es“, erzählt Bauernfeind, „das Flair des Gründerzeithauses mit modernem Wohnkomfort zu verbinden.“ So gibt es im Haus 24 Garagenplätze, zwei Aufzüge und Kleinkinderspielräume.
Ein Thema bei EHL sind auch Vorsorgewohnungen: „Besonders interessant ist beispielsweise ein Vorhaben mit Baurechtswohnungseigentum im 20. Bezirk“, erzählt Bauernfeind. Wichtig bei Vorsorgewohnungen sei, so die Immobilienspezialistin, dass das Appartement möglichst viele Mietinteressenten anspreche: „Ideal für diesen Zweck sind Zwei- oder Dreizimmerwohnungen mit gutem Grundriss und nachhaltigem Mietertrag.“ Die Frage, ob Investitionen in Immobilien derzeit überhaupt interessant sind, beantwortet Bauernfeind so: „Natürlich muss das gut überlegt werden. Aber sinken werden die Preise für Wohnungen und Häuser sicher nicht mehr.“