„Die perfekte Heizung gibt es nicht“

09.12.2016 | 16:47 |  Ursula Rischanek (Die Presse)

Planung. Verschiedenste Energieträger und Heizsysteme werben um die Gunst der Häuselbauer.

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Wenn es draußen kalt ist, läuft die Heizung auf Hochtouren. Holz, Gas, Öl, Fernwärme, Pellets oder Strom sorgen dafür, dass es an kalten Tagen in den eigenen vier Wänden behaglich warm ist. Wer ein Haus bauen oder sanieren will, hat daher bei der Suche nach der richtigen Heizung die Qual der Wahl.
Wobei: „Die perfekte Heizung gibt es nicht“, sagt Christian Steininger vom Ziviltechnikerbüro Vasko + Partner Ingenieure. Vielmehr gehe es darum, für das jeweilige Gebäude das am besten passende Heizsystem zu finden, denn nicht jede Heizung könne in jedem Haus eingebaut werden. „Man muss unterscheiden, ob es sich um einen Neubau, ein saniertes oder ein unsaniertes Haus handelt“, sagt Steininger. Davon sei nämlich der Wärmebedarf abhängig, nach dem sich die erforderliche Nennwärmeleistung der Heizung richtet. Je energieeffizienter das Gebäude, desto größer die Auswahl an geeigneten Energiesystemen. „Es hat wenig Sinn, beispielsweise eine Wärmepumpenanlage in einem unsanierten Gebäude zu installieren“, ergänzt Wilhelm Schlader vom Energieinstitut Vorarlberg. Sie würde unter diesen Umständen keinen hohen Wirkungsgrad aufweisen, sondern nur viel Energie verbrauchen. In einem Neubau hingegen sei sie – in Kombination mit Fußboden- oder Deckenheizungen – gut aufgehoben, sagt auch Steininger.

Komfort gefragt

Weitere wichtige Kriterien bei der Wahl der passenden Heizung sind darüber hinaus der Platzbedarf sowie örtliche Gegebenheiten und Standortressourcen. „Ist Fernwärme vorhanden, sollte diese eine der ersten Wahlmöglichkeiten sein“, sagt Steininger. Ersterer fällt beispielsweise ins Gewicht, wenn eine Pelletsheizung angeschafft werden soll, braucht der Pelletstank doch nicht gerade wenig Platz. Ebenfalls ins Kalkül gezogen werden sollte die Ausrichtung des Hauses – sie spielt etwa bei einer geplanten Solaranlage eine Rolle.
„Auf der Prioritätenliste ganz oben steht weiters, dass die Heizung komfortabel ist“, berichtet Schlader. Aber auch ökonomische Gesichtspunkte werden als Entscheidungshilfe herangezogen. „Dabei muss man aber nicht nur die Anschaffungs-, sondern auch die laufenden Kosten beachten“, empfiehlt Schlader.

Öl oder Pellets?

Fossile Heizanlagen, wie Ölheizungen, sind zwar in der Anschaffung günstig: Sie sind, so Schlader, bereits um 5000 oder 6000 Euro zu haben. Dazu kommen Förderungen der Mineralölwirtschaft. Pellets- und Hackgutgeräte hingegen kommen mit Investitionskosten von durchschnittlich 12.000 bis 15.000 Euro wesentlich teurer. Doch auch sie werden auf Bundes- und Landesebene gefördert. Bei den laufenden Kosten haben Holzheizungen jeder Art allerdings die Nase vorn: „Pellets beispielsweise haben im Mittel in den vergangenen Jahren die Hälfte von Öl gekostet“, erklärt Schlader.
Ein weiterer Faktor, der zunehmend in die Entscheidung über das Heizsystem einfließt, sind ökologische Gesichtspunkte. Pellets sowie andere Holzheizungen schneiden dabei gut ab. Die Sorge, dass mehr Holz verbraucht wird, als nachwächst, weist der Experte zurück: „Da ist noch lang Luft nach oben.“ Wenig Freude hat er im Hinblick auf Ökologie jedoch mit Infrarotheizungen. „Diese laufen nicht unter ökologisch“, sagt er. Gerade im Winter sei damit der Strombedarf sehr hoch. „Und genau dann kommen wir ohnehin in ein Winterstromproblem“, erklärt Schlader. Dazu komme, dass häufig nicht genügend Wasserkraft zur Stromerzeugung vorhanden sei. Deshalb werde mehr fossile Energie zur Deckung des Bedarfs benötigt. „In der Regel kommt der Strom dann aus Kohlekraftwerken, weil sie die Einzigen sind, die nach Bedarf hochgefahren werden können“, so Schlader. Darüber hinaus seien diese Stromdirektheizungen trotz relativ niedriger Anschaffungskosten im Betrieb am teuersten.

Vorausschauend planen

Angesichts der Lebensdauer von Heizungen, die von zehn bis zu 30 Jahren reichen kann, hat Ziviltechniker Steininger noch einen Tipp parat: „Planen Sie bei der Wahl der Heizung wenn möglich schon zukünftige Entwicklungen ein.“ So sei etwa abzusehen, dass Öl- und Gasheizungen zu den Auslaufmodellen gehören. „Es wird sie zwar im Bestand wahrscheinlich immer geben“, sagt Steininger. Im Neubau jedoch würden sie zusehends von der Bildfläche verschwinden.
Umweltminister Andrä Rupprechter etwa hat bereits eine Diskussion zum Aus für Ölheizungen im Neubau und bei anstehendem Kesseltausch angeregt. In Niederösterreich ist bereits ein Gesetzesentwurf in Begutachtung, wonach bei Neubauten ab 1. 1. 2019 keine Ölheizungen mehr erlaubt sind.

Was Sie beachten sollten bei der Auswahl . . .

einer Heizung

Tipp 1

Wärmebedarf und Heizleistung. Der Wärmebedarf, der von Größe, Lage und Bauweise des Gebäudes abhängt, ist ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Heizung. Die Wärmebedarfsberechnung erfolgt auf der Grundlage, wie hoch bei der statistisch niedrigsten Außentemperatur am Standort die Wärmeverluste jedes einzelnen Raumes über die Außenflächen des Gebäudes sind. Diesem wird der Lüftungswärmeverlust hinzuaddiert. Das Ergebnis ist der gesamte Wärmebedarf des Hauses,
der die notwendige Leistung der Heizung definiert.


Tipp 2

Energieträgermatrix. Das Energieinstitut Vorarlberg hat gemeinsam mit allen Energieversorgern die sogenannte Energieträgermatrix erstellt. Dabei geht es um die Stärken und Schwächen der verschiedenen Energieträger, die mit einer persönlichen Wertung verbunden, die ideale Heizung ergeben. Kriterien für die Bewertung sind Erneuerbarkeit, Heizkomfort, Kosten, Raumbedarf, regionale Wertschöpfung, Umweltauswirkungen lokal, Klimawirksamkeit, Verfügbarkeit/Lagerfähigkeit. Eine Onlineversion der Matrix geht demnächst in Betrieb.


Tipp 3

Checkliste zur Heizungswahl:
 Wärmebedarf klären.
 Die Ansprüche der Heizungen an
Bauweise und Standortbedingungen
berücksichtigen.
 Nicht nur die Anschaffungs-, sondern
auch die Wartungskosten sowie die
Ausgaben für die Energielieferanten sind wichtig.
 Die Verfügbarkeit der Rohstoffe
überdenken.
 Überlegen, ob verschiedene Heiz-
systeme miteinander kombiniert
werden können. Etwa ein Gaskessel
mit einer thermischen Solaranlage, die beispielsweise im Sommer die
Warmwasseraufbereitung übernimmt.

 

Mehr Tipps für Ihre persönlichen Finanzen:
www.diepresse.com/meingeld

 

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3 Kommentare
palazzo
11.12.2016 17:25
0 0

Irreführende Werbung

Heute lassen sich Häuselbauer alles aufschwatzen, weil empfänglich und eben keine Ahnung. Fernwärme ist z. B. am Land die absolut teuerste Variante der Heizmöglichkeit. Ich habe bei meinem Eigenheim Festbrennstoff (eigenes Holz), Öl und seit ein paar Jahren eine Solewärmepumpe. Öl ist zwar stillgelegt, aber noch einsatzbereit (für den Fall der Fälle). Die SWP rechnet sich nur da sehr viel Eigenleistung und ein günstiger Anschaffungspreis (rd. € 8.000,-) vorgelegen sind. Bei Ansatz der tatsächlichen Anschaffungskosten (gerechnet auf 20 Jahren) wird sich eine von den dzt. beworbenen Heizsystemen (Fernwärme, Pellets, Luftwärmepumpen) für den Nutzer nicht wirklich rechnen, da der Ölpreis und Ölkessel (für Eigenheim) weiter günstig sein werden. Beim Einsatz einer WP ist die solare Warmwasserbereitung ökonomischer Unfug (meine Kosten mit der SWP sind ca. € 9,-/Monat!). Der Bericht spiegelt aus meiner Sicht nicht die Realität wider, sondern scheint vielmehr eine Werbeeinschaltung des "Ziviltechnikerbüros" zu sein. Von der Presse hätte ich mir ich mir mehr Recherche erwartet!
adabei01
11.12.2016 10:17
0 0

Leider falsch

Dass Elektroheizungen im Betrieb am teuersten sind ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Es gibt eine wissenschaftliche Studie der TU Kaiserslautern zum Betrieb von Infrarotheizungen im Vergleich zu einer Brennwert Gastherme. Dabei schneidet die Infarotheizung um Längen besser ab als die Gasheizung.
Vor allem vergisst der Autor, dass Infrarotheizungen die mit Abstand effizientesten Heizungen sind, sprich einen unereichten Wirkungsgrad haben.
Einfach mal nach TU Braunschweig Infrarotheizung googlen und den wissenschaftlichen Fakten folgen.
adabei01
11.12.2016 10:19
0 0

Re: Leider falsch

Sorry hat sich ein Fehler eingeschlichen, gemeint ist die TU Kaiserslautern.