Wenn alles zu allem passt

30.12.2016 | 16:19 |  von Daniela Mathis (Die Presse)

Design. Haus, Möbel und Garten aus einem Guss? Die Idee des Gesamtkunstwerks wird immer wieder neu aufgegriffen und interpretiert.

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Wer mitunter große Mühe dabei hat, Blumenkisten oder Gartenmöbel seiner Nachbarn schön zu finden, darf sich freuen: Er ist nicht allein. Zahlreiche Menschen üben täglich das automatische Wegschauen von allem, das sie als nicht ästhetisch oder als unethisch empfinden. Auch mit den eigenen vier Wänden sind viele unzufrieden: Man wünscht sich, sie wären smarter, designter, besser genutzt.

Die Idee, es möge alles zu allem passen, auch ideell, fließt daher immer wieder in Bauprojekte ein. So beim Immobilienentwickler Vestwerk mit dem Projekt „The Son“ in der Wiener Josefstadt. Bestehend aus Altbau, neu ausgebautem Loft und Neubau im Hof will das Team ein Gesamtkunstwerk auf hohem Niveau verwirklichen, bei dem der Käufer schon bei Vertragsabschluss sicher weiß, welche Sessel in Nachbars Garten stehen. Gemeinsam mit dem Tischlereiunternehmen Walter Göbel werden in Alt- und Neubau bereits Stauraumlösungen mit eingebaut. „Schon bei der Planung wurde vernetzt gearbeitet“, erzählt Vestwerk-Partner Maximillian Kneussl. Im Altbau war es eine tolle Herausforderung, die Nischen und Übertürflächen gut zu nutzen.“

In drei Varianten – modern, zeitlos, klassisch – können Bad und Küche, Böden, Wände, Fliesen etc. bestellt werden, beim Einzug ist alles bezugsfertig. Auch die Möbel, die in den Voransichten zu sehen sind, können bei einem Tischlereibetrieb – Seliger – bestellt werden.

Ist das nicht ein bisschen wenig Individualismus in einer Zeit, in der dieser besonders großgeschrieben wird? „So zu wohnen, gilt ja auch als individuell“, meint Kneussl. „Und man kann es, nachdem man alles ausgewählt hat, gedanklich ad acta legen. Keine bösen Überraschungen, bis das Objekt bezugsfertig ist, dafür ein fixer Termin und Rechtssicherheit“, ist er überzeugt.

Designtes Glück

Bei einem weiteren Wohnobjekt, das im 13. Bezirk in Kooperation mit dem international tätigen Architekten David Chipperfield entsteht, „steht sogar die Wahl der Außenvorhänge vertraglich fest“, erzählt Kneussl. „Und man kann sich sicher sein, dass die 17 Käufer damit glücklich sein werden.“

Design nicht nur als ästhetische Bereicherung zu sehen, sondern als ethisch vertretbares, nachhaltiges Wohngefühl zu verstehen, ist ebenfalls kein neues, aber vielen ein immer wichtigeres Bedürfnis. Laut dem Verband der Österreichischen Möbelindustrie liegen derzeit Natürlichkeit, Minimalismus und Romantik im Trend. Sprecherin Andrea Steinegger: „Man holt sich sozusagen Waldcharme ins Leben, um sich etwas Gutes zu tun.“ Doch wie nachhaltig und fair das Stück produziert sein soll, darüber gehen die Meinungen auseinander – besonders, wenn es den Preis betrifft. Bei einer Podiumsdiskussion in Berlin meinte die österreichische Designerin Marina Hoermanseder, dass es nicht machbar sei, komplett fair und in Europa zu produzieren, sobald höhere Stückzahlen ins Spiel kämen. Georg Emprechtinger, CEO von TEAM 7, ist jedenfalls überzeugt, dass die Entstehungsgeschichte von Produkten in den nächsten Jahren nicht mehr von ihrem äußeren Wert zu trennen sein werde.

 
WAS SIE BEACHTEN SOLLTEN BEI . . . WOHNTRENDS

Tipp 1
Custom-Made.
Hochwertige All-in-One-Wohnungen haben viele Vorteile, vor allem für jene, die sich gern in ein wirklich schlüsselfertiges Heim begeben wollen. Doch man sollte sich genau darüber informieren, was im Preis inbegriffen ist – und wie individuell die Wohnung und ihr Umfeld gestaltbar sind. Dürfen die Vorhänge in zwei Jahren geändert werden, wenn sie nicht mehr gefallen? Wer sich nicht gern Gedanken macht über Einrichtung und Style, sondern beides einfach genießen möchte, ist gut aufgehoben.

Tipp 2
Ethische Ästhetik.
Designerstücke nicht nur nach der Ästhetik auszusuchen, ist nie ein Fehler. Doch fair und nachhaltig produzierte Stücke haben meist ihren Preis.


[N7JWJ]

(Print-Ausgabe, 31.12.2016)

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