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Inspirationen aus dem Ländle

06.01.2017 | 17:21 |  Doris Barbier (Die Presse)

Wohngeschichte. Ein stattliches Gründerzeithaus in Wien Währing beherbergt das Domizil einer Vorarlbergerin, die ein Stück Ländle in den fernen Osten nach Wien mitgenommen hat.

Bild: (c) ELSA OKAZAKI 

Als die Vorarlbergerin Anja Kaufmann beschloss, ihre Zelte in Wien aufzuschlagen, hatte sie recht genaue Vorstellungen davon, wo sie hinfort wohnen wollte: „Ursprünglich haben wir nach einer Wohnung gesucht, die innerhalb des Gürtels liegt“, erzählt sie. Geworden sei es dann aber der 18. Bezirk, „ein Kompromiss, den wir eingegangen sind, weil die Wohnung einfach zu schön war“. Mittlerweile hat sich die Fotografin und Herausgeberin des Magazins „Soi“ regelrecht in den Bezirk verliebt: „Die Verkehrsanbindungen sind wunderbar, man ist sehr schnell in der Innenstadt und genauso rasch mitten im Grünen.“ Angetan hat es ihr auch der dörfliche Charakter des Grätzels: „Das liegt in erster Linie am Kutschkermarkt, der direkt um die Ecke ist, und an den vielen kleinen Geschäften, in denen man die Kunden alle persönlich kennt.“

Es werde schlicht

Bei der Wohnung war es hingegen das Licht, das sie überzeugte: „Sobald die Sonne scheint, ist sie den Großteil des Tages regelrecht lichtdurchflutet“, schwärmt sie. Das gilt auch für die Küche, in der die Fotografin ihrem Hobby Kochen nachgeht. Bei deren Einrichtung hat sie auf Qualität und viel Stauraum geachtet: Der Küchenblock als Raumteiler bietet genug Arbeitsfläche und fungiert auch optisch als Barriere zum Wohnraum. Und rückt die Küche so von Zeit zu Zeit in den Mittelpunkt, wobei sich die Grenzen je nach Tageszeit und Aktivität verwischen.
In puncto Einrichtung lautet das Motto grundsätzlich „Es werde schlicht“. Tisch, Regale, Garderobe und Bett hat sie selbst entworfen und von Gartenbau Amann im Vorarlberger Koblach anfertigen lassen. „Ich hatte eine genaue Vorstellung davon, wie alles aussehen sollte, habe es grafisch dargestellt, und Yvonne Amann hat dann gemeinsam mit Jörg und ihren Mitarbeitern die Ausführungen übernommen. Viel Erklärung meinerseits war nicht nötig, wir sind Freunde und geschmacklich auf einer Wellenlänge.“ Die Vollholzböden aus geölter Eiche waren dann schon fast eine Selbstverständlichkeit, vor allem, wenn man aus dem Ländle kommt. „Die Möbel waren eigentlich ein Tauschhandel – während ich grafische, fotografische und konzeptionelle Aufgaben für Gartenbau Amann übernehme, entschädigen sie mich häufig in Form von Handwerk, gutem Wein, Piemont-Urlauben oder schönen Wohnaccessoires“, sagt die Vorarlbergerin schmunzelnd.
Auch Dekorationsgegenstände oder Heimtextilien stammen aus der Heimat. Decken und Kissenbezüge wurden bei David Fußenegger erstanden, die Gläser, in denen Kräuter für den Tee aufbewahrt werden, sind Suppengläser aus der Elfenküche in Dornbirn. „Sogar die Vorhänge habe ich zu einer Vorarlberger Schneiderin gebracht.“ Nach ihrem Einzug ist ein befreundeter Handwerker zudem für vier Tage nach Wien gekommen, um bei verschiedenen Renovierungsarbeiten zu helfen. „Die Handwerker im Bregenzerwald sind nicht nur für ihre präzise Arbeit, sondern auch für ihr ästhetisches Empfinden bekannt“, bricht sie eine Lanze für ihre Landsleute.

Reduziert und geradlinig

Und was sind ihre persönlichen Inspirationsquellen aus dem Ländle? „Ich finde die Arbeiten der Architekten Innauer Matt sehr schön und mag die Designs von ,Super – Büro für Gestaltung‘. Außerdem bewundere ich Ulli von der Elfenküche in Dornbirn für ihre Suppenkunst, schmökere gern und ausgiebig im ,Landjäger Magazin‘, und auch der Werkraum in Andelsbuch inspiriert mich bei jedem Besuch aufs Neue.“ Das Leitmotiv? In erster Linie versuche sie, einfach reduziert und gradlinig zu sein, betont Kaufmann. „Wenig Farbe und schöne Materialien als Grundlage – den Rest kann man dann beliebig gestalten.“ Wohnaccessoires seien schließlich leicht austauschbar.

Zur Person, Zum Ort

Anja Kaufmann ist Fotografin und Herausgeberin des Magazins „Soi“. Sie ist von Vorarlberg nach Wien übersiedelt und hat in der Nähe des Kutschkermarktes in einer Gründerzeitwohnung eine neue Heimstatt gefunden. Ein Stück Vorarlberg hat sie sich dafür mitgenommen: in der Form von Möbeln, Wohnaccessoires und anderen Einrichtungsgegenständen. Auch bei Renovierungsarbeiten verließ sie sich auf das Handwerksgeschick eines ihrer Landsleute.