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Die Maserung immer im Blick

06.03.2017 | 16:30 |  Von Michael Loibner (Die Presse)

Ob Boden, Wand oder Mobiliar – der traditionelle Werkstoff wird auch in Sachen Wohnen immer wieder neu interpretiert, bearbeitet und in Szene gesetzt. Drei Beispiele für einen eher ungewohnten, aber nachhaltigen Umgang.

Holzvariationen für Boden, Wand und Möbel.
Holzvariationen für Boden, Wand und Möbel. / Bild: (c) www.trapa.at 

Ein Einrichtungsgegenstand aus Holz ist nicht einfach ein Gebrauchsgut, sondern kann zugleich ein Kunstobjekt sein“, ist Stefan Knopp überzeugt. Der Möbeldesigner aus Obertrum am See (Salzburg) hat die alte Technik des Köhlens wiederentdeckt und setzt sie ein, um die Struktur des Rohstoffs so herauszuarbeiten, dass beispielsweise nicht einfach eine homogene ebene Tischplatte entsteht, sondern eine Fläche, aus der Jahresringe, Astansätze und Maserung dreidimensional hervortreten. Scharfe Kanten weichen Rundungen, Variation ersetzt die Geradlinigkeit. Dafür wird der geschnittene Stamm mit einem Bunsenbrenner beflammt, bis er verkohlt ist. Danach wird die Oberfläche abgebürstet, sodass das harte Holz mit seinen Erhöhungen und Vertiefungen zum Vorschein kommt.

 

Keine Chance dem Wasser

Erfolgt nach dem Köhlen eine Versiegelung mit Naturholzöl, so entsteht ein schwarzes Mobiliar, das sich optisch perfekt mit Raum-Accessoires in fast allen anderen Farben kombinieren lässt. Auch Wasser hat keine Chance mehr – Möbel im Sanitärbereich wie Waschtische sind daher möglich. Alternativ bringt Knopp Pigmente auf, die sich an der unregelmäßigen Oberfläche unterschiedlich verteilen und so für Verfremdungseffekte in Schwarz, Grau und Weiß sorgen.

Wer Fußböden aus Holz liebt, der weiß, wie solche Böden aufquellen können, wenn sie nass werden. Holzböden im Badezimmer sind daher tabu – oder doch nicht? Mittlerweile gibt es Möglichkeiten der Holzbehandlung, die bewirken, dass die aufgenommene Feuchtigkeit auch wieder abgegeben wird. Ein besonders naturnahes Verfahren ist das Einbringen von Kristallnaturöl in das Zell- und Porensystem. Die Oberfläche selbst bleibt unbehandelt.

 

Farbenspiele

Beim Bodenhersteller Trapa aus Traunkirchen in Oberösterreich, der dieses Verfahren anwendet, weiß man auch, wie man mit alternativen Methoden Farbe ins Spiel bringt und dabei die natürlichen Holzeigenschaften etwa der Eiche nutzt. „Anstelle von Pigmenten werden Laugen mit einer Walze aufgetragen, die mit der im Holz enthaltenen Gerbsäure reagieren“, erläutert Geschäftsführer Hermann Hörndler das Prozedere. „Nach einigen Stunden der Trocknung bilden sich unterschiedliche Farbtöne heraus.“ Naturnahe, nachhaltige und biologische Ansätze sind nicht nur bei der Herstellung, sondern auch bei der Pflege immer gefragter, sind sich die Experten einig. Pflegemittel auf pflanzlicher Basis, etwa aus Kokos und Sojafetten, „könnte man sogar als Handcreme verwenden“, meint Hörndler, der solche Produkte als Eigenmarke fertigen lässt.

 

Relief und Muster

Dass der nachhaltige Werkstoff Holz und moderne Computertechnik keine Gegensätze sein müssen, beweisen Wandverkleidungen mit Reliefstruktur, die einem Raum ein ganz besonderes Ambiente verleihen. Die Technologie-Manufaktur SFK aus Kirchham (OÖ) stellt solche Reliefplatten mithilfe eines 3-D-Scanners her. Dieser Scanner erlaubt die exakte dreidimensionale Vermessung der Vorlagen und die entsprechende Verarbeitung der Werkstücke. „Ich kann einen Gegenstand einscannen und daraus ein Relief formen“, erklärt Geschäftsführer Gerhard Spitzbart.

Auch abstrakte Muster sind möglich. „Oder ein Sandrelief, das wirkt dann so, als säße man an einem Strand.“ Der Möglichkeiten gibt es also viele. Wie auch immer man Holz in den eigenen vier Wänden einsetzt: Vielfalt ist Trumpf. „Der Grundsatz ,Alles aus einem Holz‘ gilt längst nicht mehr“, sagt Einrichtungsexperte Robert Ludl von Weihburg Interiors in Wien.

Trends: Auf dem Holzweg

Vielfalt statt „Alles aus einer Hand“ ist derzeit in Sachen Wohnen mit Holz angesagt. Ob glatte Oberflächen oder gewünschte Unebenheiten oder Reliefs, wichtig sind die nachhaltige Verwendung und die Pflege. In ist derzeit – neben dem Klassiker Schwarz – die Wärme und Gemütlichkeit ausstrahlende Eiche, im Kommen ist aber auch ein Retro-Chic-Trend aus Amerika mit Mahagoni. Wichtiges Stilelement: das meist glatte Holz mit Elementen, die eine andere Haptik aufweisen – etwa Stoffe oder auch Strukturtapeten –, zu kombinieren. Elegant macht sich auch der Kontrast zu Metall. Derzeit ist etwa Bronze, zum Beispiel für Beschläge, ein Hit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2017)