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Wohnen im Wald: Trend zu Natur und Autarkie

24.03.2017 | 18:21 |   (Die Presse)

Land- und Forstwirtschaft: Preise und Nachfrage auf anhaltend hohem Niveau.

Diese Jagdvilla am Hinteren Langbathsee in OÖ (l.) wird derzeit aufwendig renoviert und soll dann vermietet werden.
Diese Jagdvilla am Hinteren Langbathsee in OÖ (l.) wird derzeit aufwendig renoviert und soll dann vermietet werden. / Bild: (c) ÖBF Archiv/ David Sailer IMAGES studio@davidsailer.com 

Es ist wieder ruhiger geworden um den österreichischen Wald: Nach einer recht hitzigen Preissteigerung sind die Kosten im vergangenen Jahr konstant geblieben, wenn auch auf einem Rekordhoch: Um die zwei Euro muss man heute im Durchschnitt für einen Quadratmeter hinlegen, ein Preis, der vor fünf Jahren noch undenkbar gewesen wäre, wie Fridolin Angerer, bei Spiegelfeld Immobilien für den Bereich Land- und Forstwirtschaft verantwortlich, erklärt: „Die Euphorie, die teilweise auch zu überstürzten Käufen geführt hat, ist vorbei“, so der Experte. „Bis vor vier Jahren haben sich die Preise langsam von einem Euro auf 1,30 und dann 1,35 gesteigert“, erinnert er sich, „und sind dann rapide auf zwei Euro angewachsen. Seit gut einem Jahr hat sich dann aber nichts weiter bewegt.“

 

Nicht um jeden Preis

Eine Entwicklung, die auch Alois Reikersdorfer, Vorstandsvorsitzender von Remax Österreich, beobachtet: „Die Dynamik ist in diesem Segment im Moment nicht sehr groß“, so der Makler. „Es kann Ausnahmen geben, aber prinzipiell ist die Situation wie im Vorjahr.“

Eine Stagnation, die sich nicht nur auf land- und forstwirtschaftliche Objekte, sondern auch auf die vor noch gar nicht allzu langer Zeit wie Gold gehandelten Eigenjagden bezieht. Diese Liegenschaften müssen nach dem österreichischen Jagdrecht mindestens 115 zusammenhängende Hektar – im Burgenland und Tirol sogar 300 Hektar – umfassen. Die Wartelisten mit potenziellen Käufern für diese Gründe waren noch vor vier, fünf Jahren sehr lang, gekauft wurde, was zu haben war. Inzwischen hat sich auch das eingependelt, „das Interesse ist zwar nach wie vor da“, so Reikersdorfer, „aber nicht mehr um jeden Preis.“

Die Gründe für die Beruhigung in diesem Segment sehen die Makler auf den unterschiedlichsten Ebenen. Zum einen müsse man sich klarmachen, dass bei forstwirtschaftlichen Anwesen auch der wirtschaftliche Aspekt eine Rolle spiele und beispielsweise auch der Wert des Holzes in Betracht gezogen werden müsse, „und der steigt ja nicht automatisch mit“, so Reikersdorfer. Und für den Boom vor einiger Zeit könnten nach Angerers Beobachtung auch Faktoren verantwortlich gewesen sein, die außerhalb der Baumkronen zu finden waren: „Der große Run kam nach der Ankündigung, dass auch anonyme Sparbücher geöffnet werden könnten. Dort hatten manche Leute Gelder gebunkert, die sie schleunigst in Grund und Boden veranlagt sehen wollten“, umschreibt es Angerer. Aber auch diese Zeiten seien inzwischen vorbei.

 

Run auf Jagdhütten

Zu den Dingen, die nach wie vor gesucht werden, zählen heute Eigenjadgen „weil damit einfach der größte Freiraum in der Nutzung des Grundes verbunden ist“, so Angerer. Pluspunkte gibt es dabei vor allem, wenn ein schönes Gebäude darauf steht, wobei das bei Jagden nicht gar so ausschlaggebend ist, wie Reikersdorfer meint: „Der Bauzustand ist hier nicht ganz so wichtig, das wirkt sich lediglich auf den Preis aus“, so der Makler. Eine deutlich größere Rolle spielten dabei Faktoren wie die Aussicht, die Frage, wie sonnig die Liegenschaft und wie gut die Verkehrsanbindung ist. Wichtiger sei die Qualität des Hauses dagegen bei Gutshäusern, so Reikersdorfer: „Hier ist dann wieder Luxus gefragt, ein schönes Gutshaus oder eine Villa mit großem Park.“

Aber auch ein wesentlich weniger glamouröser Faktor wird immer stärker als der eigentliche Luxus bei derartigen Objekten empfunden, und das ist das Gefühl einer gewissen Autarkie. „Da geht es um eine gesunde Lebensweise, den Zugang zu regionalen und biologisch angebauten Lebensmitteln und einen eigenen Brunnen“, erklärt Angerer die Motivation der neuen Kundschaft. Der auch die neuen Arbeitswelten teilweise besonders entgegenkommen: Denn wenn nicht mehr jeden Tag ins Büro gependelt werden muss, sondern auch tageweise von daheim aus gearbeitet werden kann, fällt die Entscheidung, weiter außerhalb zumindest einen Zweit-, wenn nicht einen Erstwohnsitz zu haben, leichter.

 

Gefragte Bundesforste

„Ich habe einige neue Liegenschaften im Portfolio, die eine knappe Stunde außerhalb von Graz und Wien liegen und diesen neuen Bedürfnissen entgegenkommen“, so der Experte. Und darüber hinaus eine gute Lösung nicht nur für potenzielle Käufer oder Mieter, sondern auch für die Besitzer von land- und forstwirtschaftlichen Liegenschaften sind: „Viele Grundbesitzer erkennen jetzt, welches Potenzial ihre Nebengebäude haben, und richten diese her beziehungsweise trennen sie ab.“ Ein Trend, den auch die Bundesforste erkannt haben und nutzen. Mit über 4100 Objekten sind sie einer der größten Immobilienbewirtschafter des Landes. Dazu gehören neben modernen Wohnbauten auch um die 2000 Forstobjekte – von Jagdhütten über Forsthäuser bis hin zu historischen Jagdvillen, die häufig im Verbund mit Jagden verpachtet werden.

 

Kaufen oder mieten

Und das mit stetig wachsendem Erfolg, wie Sprecherin Pia Buchner erklärt: „Seit der Neugründung der Bundesforste im Jahr 1997 konnte die Betriebsleistung im Geschäftsbereich Immobilien verdreifacht werden; bei der letzten Bilanz lag sie bereits bei 41,2 Millionen Euro.“ Und das scheint sich durchaus fortzusetzen: „Die Nachfrage ist wirklich immens gestiegen, da spielt der Trend ,Zurück zur Natur‘ eine große Rolle“, so Buchner. „Es vergeht keine Woche ohne Nachfrage nach einer Waldhütte, solche Fluchtorte könnten wir wirklich ständig verpachten.“ Wobei die Objekte in Österreichs Forsten in allen Preisklassen zu haben sind: So wird derzeit gerade eine k.u.k. Jagdvilla am Hinteren Langbathsee in Oberösterreich aufwendig renoviert und demnächst erstmals zur Vermietung ausgeschrieben; aber auch einfachere Hütten und kleine Häuser kommen immer wieder auf den Markt.

„Das sind dann eben die zwei Optionen, um mitten im Grünen leben zu können“, sagt Angerer und lacht. „Entweder ich kaufe mir um acht Millionen eine wunderbare Eigenjagd oder ich begnüge mich damit, mir um fünf, sechs oder sieben Euro pro Quadratmeter ein entsprechendes Häuschen zu mieten – und da das Betreten des Waldes in Österreich frei ist, kann ich mich dann genauso frei im Wald bewegen.“ (SMA)

INFO

Die extremen Preisanstiege für den österreichischen Wald sind vorbei:

Derzeit muss mit rund zwei Euro pro Quadratmeter rechnen, wer ein Stück heimischen Forst erwerben möchte. Eine stetig wachsende Nachfrage gibt es aber nach Wohngelegenheiten im Grünen, wobei sowohl Kaufen als auch Mieten im Trend liegt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2017)