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Immobilienpreise zogen seit 2010 um 41 Prozent an

28.03.2017 | 11:39 |   (DiePresse.com)

Bei Preisauftrieb gehört Österreich zu den Top-5 in Europa.

Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Die niedrigen Zinsen und die dadurch günstigen Kredite heizen die Nachfrage nach Häusern und Eigentumswohnungen an. Die Preise für Wohnraum schnellen in die Höhe: Seit 2010 kam es in Österreich zu einer Teuerung von durchschnittlich 41,3 Prozent, wie aus den aktuellen Daten der Statistik Austria (bis inklusive 3. Quartal 2016) hervorgeht. Allein im Vorjahr zogen die Preise um 8,5 Prozent an.

"2016 ist, glaube ich, durch die besondere Zinslandschaft gekennzeichnet", sagte Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer heute, Dienstag, im Rahmen einer Pressekonferenz zur APA. Zum einen seien die Finanzierungskosten sehr niedrig und Kredite billig; zum anderen habe es "nicht viel Anlagemöglichkeiten für Kapital gegeben". Daher kam es zu einem Ausweichen auf den Immobilienmarkt, der "sehr attraktiv" gewesen sei. Da vor allem Veranlagungsimmobilien verstärkt gesucht waren, hätten sich bestehende Wohnungen massiver verteuert (plus 9,4 Prozent) als neu gebauter Wohnraum (plus 3,8 Prozent).

Wirksam wurde aber auch ein demografischer Effekt: Die Nachfragesteigerung nach billigem Wohnraum kann laut Pesendorfer aus dem Zustrom von Migranten nach Österreich abgeleitet werden. "Des Weiteren hatten wir im ersten Quartal 2015 eine außergewöhnlich starke Kaufzurückhaltung und im ersten Quartal 2016 dann einen besonders starken Preisanstieg bei bestehendem Wohnraum", erklärte der Statistik-Austria-Generaldirektor.

Österreich weit über Durchschnitt

Mit dem mehr als 40-prozentigen Preisauftrieb für Häuser und Wohnungen seit 2010 reiht sich Österreich unter die Top-5 in Europa und liegt auch drastisch über dem Durchschnitt der EU (plus 5,4 Prozent) bzw. des Euroraums (plus 1,6 Prozent).

Stärker als hierzulande verteuerte sich Wohnraum im gleichen Zeitraum nur in Estland (plus 62,1 Prozent), Island (plus 49,2 Prozent) und Schweden (plus 45,9 Prozent). Knapp hinter Österreich rangiert Norwegen mit einem Anstieg von 40,8 Prozent.

Es gibt aber auch Länder, in denen Wohnraum - nach einer entsprechenden Überhitzung des Immobilienmarktes - in den vergangenen Jahren billiger wurde. Den EU- bzw. Euroraum-Schnitt entsprechend nach unten drücken vor allem die fünf Länder Spanien (minus 22,5 Prozent), Italien (minus 14,6 Prozent), Zypern (minus 13,1 Prozent), Slowenien (minus 12,6 Prozent) und Rumänien (minus 11,9 Prozent). Weniger für Immobilien auf den Tisch zu legen als noch 2010 ist auch in Kroatien (minus 8,6 Prozent), den Niederlanden (minus 6,6 Prozent), Polen (minus 4,2 Prozent), Irland (minus 1,1 Prozent) und Portugal (minus 1 Prozent). (APA)