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Erinnerungen an die Kindheit und neue Kunden aus Fernost

21.04.2017 | 18:13 |   (Die Presse)

Seeliegenschaften stehen hier bei neuen und alten Käufern hoch im Kurs.

(Fast) ein Sommer wie damals.
(Fast) ein Sommer wie damals. / Bild: (c) Alexander Kurz 

Es ist auch heute noch der Inbegriff der gehobenen Sommerfrische: Auch wenn die Zeiten der „Linienflüge“ zwischen Wien und St. Wolfgang lang schon genauso vorbei sind wie jene, in denen sich Hollywood-Größen zum Cocktail im Grand Hotel trafen, hat die Region ihren Reiz nie verloren und erlebt derzeit sogar ein kleines Revival, wie Maklerin Marlies Muhr berichtet: „Man spürt, dass derzeit eine neue Generation zu ihren Kindheitserinnerungen mit Oma und Opa zurückkehrt“, berichtet sie.

 

Chinesen in Hallstadt

Vor allem auf die Wiener Käufer übt das Salzkammergut nach wie vor eine große Anziehungskraft aus. Aber auch eine ganz neue Gruppe von Luxuskunden hat plötzlich seine Liebe für Liegenschaften vor allem rund um Hallstatt entdeckt: „Das hat natürlich mit dem Nachbau Hallstatts in China zu tun“, so die Inhaberin von Muhr-Immobilien. 2012 wurde Hallstatt II samt See und Rathaus in Boluo in der Provinz Guangdong nachgebaut, dient seitdem als Ausflugsziel und beliebte Kulisse für Brautpaare und andere Idyllsuchende – und sorgt für einen gewissen Hype rund um das Original. „Ich bin überzeugt, dass die Preise auch durch diese Internationalisierung in Asien weiter nach oben gehen werden“, prognostiziert die Maklerin.

Wobei auch ohne neue Klientel aus Fernost an den Seen des Salzkammerguts kein Nachfragemangel herrscht. Für den Traum vom Seegrund mit Bootshaus und Steg werden an allen Seen absolute Liebhaberpreise gezahlt, und selbst mit Budgets im soliden Millionenbereich müssen sich Käufer auf Wartezeiten einlassen, denn die Losung lautet zumeist „Gut, aber aus“. Ganz oben auf der Beliebtheitsliste steht bei internationalen Käufern der Wolfgangsee, bei den Wienern und Niederösterreichern gleichauf mit dem Attersee, gefolgt von Mond- und Traunsee. Wobei neben der Erreichbarkeit die unterschiedlichsten Gründe eine Rolle spielen. „Da muss jeder seine persönliche Liebhaberei finden“, sagt Alexander Kurz, Inhaber der gleichnamigen Salzburger Immobilienkanzlei, „brauch ich Sonne und will segeln, hab ich am Attersee am ehesten Wind. Wenn ich es besonders ruhig mag, ist es am Fuschlsee wunderschön.“ Und auch das Thema „Sehen und gesehen werden“ ist nicht nur auf den Wörthersee beschränkt, sondern findet auch im Salzkammergut statt: „Der Altausseer See hat eine sehr hohe Promidichte. Hier trifft sich, wer in Politik und Wirtschaft Rang und Namen hat“, weiß Elisabeth Rauscher, Geschäftsführerin Finest Homes Immobilien, „und hier ist auch das Traditionsbewusstsein sehr wichtig.“

Was sich auch in der großen Nachfrage nach Luxusimmobilien mit historischem Charakter ausdrückt. „Im Wunsch nach den traditionellen Holzbalkonen und Pawlatschen zeigt sich natürlich die Sehnsucht nach der Vergangenheit“, berichtet Muhr, und auch Rauscher erlebt diese Suche nach der Schönheit der Vergangenheit: Es zählten historischer Charme, Herrschaftlichkeit und Ursprünglichkeit, so die Maklerin, „an erster Stelle der Wunschliste liegen behutsam restaurierte Bauernhäuser mit dem Flair vergangener Tage“.

Wobei Pawlatschen und Kaisergelb eher in die Kategorie Nice-to-have fallen, wie die Makler einhellig betonen, denn ein Gebäude kann mit entsprechendem Budget immer passend gemacht werden. Letztendlich gehe es um den Grund und Boden als nicht weiter vermehrbares Gut, für den Höchstpreise bezahlt werden. „Der Quadratmeterpreis hängt natürlich immer auch von der Grundstücksgröße ab“, erklärt Kurz, „bei einer kleineren Parzelle werden am Atter- oder Wolfgangsee aber bis zu 4500 Euro pro Quadratmeter gezahlt“, so der Makler. „Und unter 3500 ist direkt am Wasser derzeit an den Seen gar nichts zu bekommen“, so Muhr. Wobei sich diese Zahlen auf den schlichten Grund und Boden beziehen, allfällige Villen, Gäste- und Bootshäuser kommen selbstverständlich extra und sorgen für Preise im soliden einstelligen Millionenbereich, „wobei es für ganz besondere Liegenschaften hin und wieder auch durchaus zweistellig werden kann“, wie Muhr erklärt.

 

Günstiger „weiter hinten“

Günstiger wird es dann, wenn man auch nur im Geringsten bereit ist, weiter nach hinten zu gehen. „Ab der zweiten Linie kosten die Gründe nur mehr einen Bruchteil“, so Kurz. Ausschlaggebend für die Preisgestaltung ohne eigenen Seezugang ist der Blick: Wenn man zumindest das Wasser noch sehen kann, müssen auch „weiter hinten“ zumindest noch 500 Euro pro Quadratmeter Salzkammergut investiert werden. „In der zweiten Seereihe mit Seeblick sind es ab 900 Euro pro Quadratmeter, wobei hier sowohl die Entfernung zum See als auch die konkrete Lage und der Blick entscheidend sind“, so Rauscher.

Abseits der Seen ist der Luxusmarkt im Salzkammergut dagegen weitgehend inexistent, wie die Makler berichten. „Zumindest in irgendeiner Verbindung zum See muss ein solches Objekt stehen“, so Kurz, „etwa eine ruhige Alleinlage oberhalb des Sees ohne Nachbarn haben und damit wie ein Gutsbesitz wirken“, so der Makler. Aber auch für solche Objekte seien enge Grenzen gesetzt: „Alles, was drei bis vier Kilometer vom See entfernt ist, ist schwer zu verkaufen“, so Kurz. Eine gewisse Nachfrage gibt es noch nach liebevoll restaurierten Bauernhäusern, wobei es hier vor allem darum geht, Objekte zu finden, die einen Kauf als Nichtlandwirt ermöglichen. „Durch die Regelungen der Grundverkehrsbehörde ist der Erwerb von Bauernhäusern, die zum Zeitpunkt des Verkaufs landwirtschaftlich betrieben werden, Landwirten oder von Personen, die willens und in der Lage sind, den Hof auch weiterhin zu bewirtschaften, vorbehalten“, erklärt Rauscher. „Natürlich gibt es auch Bauernhäuser, die nicht unter diese Vorschriften fallen – diese Objekte sind absolute Raritäten und daher sehr begehrt.“ Eine andere Regelung, die den Kauf von Luxusdomizilen einschränkt, sind die Zweitwohnsitzregelungen, die auch im Salzkammergut streng eingehalten werden. Was unter anderem gerade bei potenziellen Käufern aus Deutschland für eine Nachfrage nach Objekten mit einer entsprechenden Genehmigung sorgt. „Solche Feriendomizile sind ebenfalls sehr gefragt, aber auch rar“, so Rauscher. (sma)

SEENSUCHT

Seeliegenschaften im Salzkammergut zählen zu den teuersten Gründen der Republik. Hier werden bis zu 4500 Euro für den Quadratmeter Boden fällig – Villa, Steg und Bootshaus exklusive. Der Nachfrage tun die Preise keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Wer Exklusives sucht, muss auch mehrjährige Wartezeiten in Kauf nehmen. Neben traditionsbewussten Österreichern sind seit Kurzem auch Chinesen unter den Interessenten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2017)