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Naturteich ohne alles oder Design mit Glas und Metall

12.05.2017 | 18:47 |   (Die Presse)

Die aktuellen Trends in Sachen kühles Nass könnten gegensätzlicher kaum sein.

Manche Wasserliebhaber werden auch mit der klassischen Variante glücklich.
Manche Wasserliebhaber werden auch mit der klassischen Variante glücklich. / Bild: (c) Biotop Pools 

Die Vorstellungen davon, wie der perfekte Pool auszuschauen hat, sind ungefähr so vielseitig wie die vom perfekten Haus. Die einen wollen ihn so nah wie möglich am Haus, damit die Spiegelungen des Wassers noch über dem Esstisch für schöne Effekte sorgen, andere weiter hinten im Garten, dafür aber mit Poolhaus. Vor nicht allzu langer Zeit traten die langen, schmalen, metallenen Schwimmkanäle ihren Siegeszug an, mittlerweile haben sie ihren Zenit aber überschritten und sind nur noch eine – wenn auch bei manchen nach wie vor beliebte – Form unter vielen.

Vor zwei Jahren kamen dann im Zuge der Retrowelle auch die Nierenformen der 1950er-Jahre zurück. Ein zeitloser Klassiker in allen Formen und Farben sind dagegen die sogenannten Infinity-Pools, deren Beliebtheit auch die Tatsache, dass sie nicht gerade eine neue Erfindung sind und inzwischen in jeder kleineren Hotelanlage zum Standard gehören, keinen Abbruch tun konnte. „Diese bis zum Rand gefüllten Becken mit Überlaufrinne sind deswegen gefragt, weil es die optisch ansprechendste Lösung ist“, sagt Rupert Kroesen, Geschäftsführer von Gartencraft. Dauerbrenner seien sie vor allem in Hanglagen, wo sie für das Gefühl sorgen, in die Landschaft hinauszuschwimmen.

 

Comeback der Urvariante

Abgesehen von diesen Klassikern zeichnen sich momentan zwei Daseinsformen des kühlen Nasses als neue Trends ab, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Eine davon ist der gute alte Schwimmteich ohne alles. „Es ist wirklich bemerkbar, dass wir heuer viele Anfragen nach Schwimmteichen ganz ohne Technik haben“, berichtet Peter Petrich, Geschäftsführer Biotop Landschaftsgestaltung GmbH und Pionier in Sachen naturbelassener Badelandschaften. „Da geht es um die ganz natürliche Urvariante, die jetzt wieder viele wollen, das haben wir schon länger nicht mehr gesehen.“

Der Wunsch vieler Poolbesitzer nach ungechlortem, natürlich aufbereitetem Wasser nahm zwar seit vielen Jahren kontinuierlich zu, die Bereitschaft, sich das Becken mit Kleintieren und Pflanzen zu teilen, blieb allerdings immer überschaubar. Weshalb in der Vergangenheit Modelle entwickelt wurden, bei denen sich die zur natürlichen Wasseraufbereitung nötigen Pflanzen in einem separaten Becken befanden oder durch technische Lösungen und besondere Filtermaterialien auch ohne Flora und Fauna biologisch gereinigt werden konnte. Mittlerweile gibt es diese Technologie sogar zum Nachrüsten für bestehende Pools, was laut Petrich zunehmend nachgefragt wird. Aber manchem dann eben immer noch nicht weit genug geht in Sachen Naturbelassenheit – Seerosen, Frösche und Algen inklusive.

 

Wasserspiele im Wohnzimmer

Für diejenigen auf der anderen Seite der Poolskala sind derartige Mitbewohner eher undenkbar, hier stehen das Design und die Schönheit des Badegewässers im Mittelpunkt der Pläne und Wünsche. Ganz besonders populär sind derzeit Becken aus Glas. „Das ist jetzt verstärkt ein Thema, weil die Technik bei den Herstellern vorangeschritten ist und sich heute immer längere, schwerere und größere Becken bauen lassen“, erzählt Karl Narbeshuber, Geschäftsführer der Berndorf Metall- und Bäderbau GmbH. Außerdem gebe die Optik viel her, besonders bei Kombinationen aus Edelstahl und Glas. Ein Trend gehe hin zu Lösungen, bei denen der Pool eine Glaswand hat, durch die man beispielsweise vom Wohnzimmer aus zuschauen kann, was sich unter Wasser so tut.

Wobei den Spielereien in Sachen Luxuspools ganz grundsätzlich kaum Grenzen gesetzt sind, wie Narbeshuber berichtet. So können Monogramme und Familienwappen auf dem Boden eingelassen werden oder mit modernen LED-Leuchten Sternenböden und andere Beleuchtungsspielereien konzipiert werden. Kombinationen von separaten Becken für Sportler, Entspannungssuchende oder Tauchgänge nach dem Saunagang sind ebenfalls möglich.

 

Mehr Licht, weniger Sound

Ein besonders wichtiges Thema sei dabei die Kommunikation und das gemütliche Beisammensein, so Narbeshuber. Dabei gehe es darum, Bereiche zu schaffen, wo man beispielweise auf unterschiedlichen Liegen entspannen und dabei über Gott und die Welt reden kann, oder in großzügigen Whirlpools mit Gästen sitzt und ein Glas Sekt trinkt. Nicht mehr ganz so wichtig wie noch vor ein paar Jahren – als mancher Pool dank neuer Techniken zu einer Art blinkender Freiluftdisco umfunktioniert wurde – sei derzeit das Thema Sound; am Licht werde jedoch nach wie vor nicht gespart: „Lichtspiele sind immer noch ein Hingucker“, so der Experte. Außerdem gefragt sind kleine oder große Plätschereien in allen Spielarten. „Einen kleinen Wasserfall oder eine Schwalldusche will eigentlich fast jeder“, so Kroesen, denn dieses Geräusch sorge grundsätzlich für eine gute Stimmung im Garten, die die Kunden zu schätzen wüssten. Wie es überhaupt aus seiner Sicht erfreulich sei, dass immer mehr Kunden bei der Planung ihres Pools auf dessen Integration in den Garten Wert legen und entsprechend Gartenplaner damit beauftragen. „Denn dieser schaut eher darauf, wo der Pool am besten hinpasst, und weniger darauf, wo am einfachsten Platz für die Baumaschinen und Geräte ist“, streicht er die Qualitäten seiner Zunft heraus.

 

Protzen in Aserbaidschan

Und manchmal, ganz manchmal ist es eigentlich auch egal, was der Pool kann, welche Form er hat, wo er liegt und ob er leuchtet, strömt oder whirlt – dann muss er einen ganz anderen Zweck erfüllen. Diese Erfahrung machte Narbeshuber jüngst mit zwei Kunden aus dem fernen Aserbaidschan. Einer der beiden hatte sich in einem Schweizer Hotel in einen Pool verliebt, den Berndorfer dort gebaut hatte, und wollte das exakt gleiche Modell auch auf seinem Anwesen haben.

Also wurde das Becken um einen siebenstelligen Betrag in Österreich entwickelt und in Vorderasien installiert – und schon bald orderte auch ein zweiter Käufer aus Aserbaidschan exakt das gleiche Modell. Allerdings mit einer Auflage: „Er wollte einfach nur mehr dafür bezahlen“, erinnert sich der Geschäftsführer. „Manchmal geht es wirklich nur ums Protzen.“ (SMA)

POOLTRENDS

Ihre Formen und Spielartenunterliegen der Mode wie alles andere auch: Nach den Schwimmkanälen und Nierenbecken erfreuen sich heuer zwei ganz unterschiedliche Wasservarianten einer steigenden Nachfrage. Zum einen kehrt die Urform des Schwimmteichs zurück in die Gärten, und das wirklich ganz naturbelassen, mit allem, was dazugehört. Am anderen Ende des Spektrums stehen Pools aus Edelstahl in Kombination mit immer mehr und größeren Glasflächen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2017)