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Die Renaissance der Waschküchen und Weinkeller

31.07.2017 | 16:23 |  Von Ursula Rischanek (DiePresse.com)

Angesichts kleiner werdender Wohnungen gewinnen Gemeinschaftsküchen, Radfahrräume und Keller an Bedeutung.

Weinkeller
Weinkeller / Bild: (c) Die Presse (Clemens Fabry) 

Die Zeiten großzügig geschnittener Wohnungen sind vorbei. „Der Trend geht zu kleineren Wohnungen“, bestätigt Theodor Klais, Geschäftsführer von Strabag Real Estate Österreich. Waren Zweizimmerwohnungen in der Vergangenheit durchschnittlich 60 Quadratmeter groß, sind es heute nur noch 55, sagt Gerhard Moser, Leiter Projektentwicklung bei der Arwag Holding. „Keiner schenkt mehr Quadratmeter her, jedes Zimmer ist perfekt auf die handelsüblichen Möbel abgestimmt“, weiß Moser.

Ab in den Keller

Im Gegenzug weisen die Wohnprojekte nun einen höheren Anteil an gemeinschaftlich genutzten Flächen auf. „Nebenräume gewinnen eindeutig an Bedeutung“, sagt Nikolaus Lallitsch, Sprecher von Raiffeisen-Immobilien Österreich. Wie etwa der Keller, da angesichts des Platzmangels die persönliche Habe meist nicht mehr zur Gänze in der Wohnung aufbewahrt werden kann. „Selfstorages sind zwar eine gute Möglichkeit, um Dinge aufzubewahren. Aber was man öfter braucht, will man griffbereit haben“, sagt Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin der EHL Immobilienmanagement GmbH. Zwischen zwei und fünf Quadratmeter sind nach Ansicht der Experten eine gute Größe für Kellerabteile. „Eineinhalb Quadratmeter sind suboptimal“, sagt Bauernfeind. Die Errichtung von Kellern sei allerdings teuer, daher gehe man zunehmend dazu über, Einlagerungsräume etwa in schwer vermietbaren Erdgeschoßen zu positionieren, erzählt Lallitsch. Er wie auch Klais orten darüber hinaus im leistbaren Wohnen eine zunehmende „Renaissance der Waschküchen“.

Fahrrad-Reparatur(t)räume

Dem Trend zur sanften Mobilität folgend, wird auch dem Drahtesel und dessen Unterbringung mehr Aufmerksamkeit geschenkt. „Die Fahrradabstellräume werden hochwertiger, es gibt oft versperrbare individuelle Plätze für Räder“, berichtet Lallitsch. Auch Lademöglichkeiten für Elektrofahrräder sind immer öfter zu finden. Aber nicht nur das: „Wir haben in ziemlich allen Neubauten eigene Fahrradreparaturräume“, erzählt Moser, der alles rund ums Fahrrad als „Gebot der Stunde“ bezeichnet. So gebe es beispielsweise Projekte, bei denen den Bewohnern Leihlasten- sowie Leihelektrofahrräder zur Verfügung stünden.

Das Angebot an gemeinsam genutzten Flächen ist aber noch weitaus größer: Es reicht von Kinderwagenabstell-, Party- und Kinderspielräumen über Gemeinschaftsküchen, Kinos, Weinkeller und Pools bis zur Gästewohnung. „Ein Zimmer kostet rund 50.000 Euro“, sagt Lallitsch. Zunehmend würden Wohnungssuchende daher auf ein kaum genütztes Gästezimmer verzichten und lieber monatlich mehr Betriebskosten zahlen, um diese bei Bedarf nutzen zu können. Den monatlichen Mehraufwand dafür bezeichnet Lallitsch, der die gemeinsame Nutzung von Flächen sowohl ökologisch als auch ökonomisch für sinnvoll hält, mit rund 15 bis 20 Euro.

Nutzung auf Zeit

„Das von uns entwickelte Wohnkonzept Wohn-Base beinhaltet neben einem Event-Raum, der von Homeworkern auch als Besprechungsraum genutzt werden kann, und einer Gästelounge auch eine Wellness-Base mit Sauna“, erzählt Klais. Die Mietkosten für diese Räume werden nach Nutzung des jeweiligen Eigentümers über die Betriebskosten abgerechnet. Der ebenfalls vorhandene Fitnessraum hingegen schlägt sich minimal auf die allgemeinen Betriebskosten nieder. Bauernfeind gibt allerdings zu bedenken: „Anfangs werden die Gemeinschaftsräume von den Kunden sehr geschätzt. In der Praxis zeigt sich aber, dass die Kosten oft unterschätzt werden.“

„Glaubt man Zukunftsforschern, werden wir uns vermehrt an öffentlichen Plätzen und weniger in den eigenen vier Wänden aufhalten“, sagt Klais, ähnlich der südländischen Tradition, Straßen und Plätze stark als Kommunikationsraum zu nutzen. Daher gewinnen auch Außenräume an Bedeutung: neben begrünten Flächen in unmittelbarer Wohnnähe „zum Beispiel Gemeinschaftsküchen im Garten“, sagt Moser. Auch Urban Gardening sei zunehmend ein Thema. „Es geht nicht nur darum, im direkten Umfeld der Wohnung Aufenthaltsmöglichkeiten zu haben, sondern auch um Kommunikationsmöglichkeiten“, sagt Moser.

Was Sie beachten sollten bei . . . . . . Nebenräumen

Tipp 1

Ausstattung. Je kleiner die Wohnung ist, umso wichtiger werden die Nebenräume – und die Umgebung. Wo können sich die Kinder austoben, gibt es einen Spiel- oder Partyraum? Gibt es einen Balkon, Garten oder nahen Park? Und: Spart eine Waschküche samt Trockner im Haus den Wäscheständerplatz im Smart Home?

 

Tipp 2

Storage. Wohin mit Fahrrad, Kinderwagen, Wein- und Kostümsammlung? In kleinen Wohnungen braucht alles seinen Platz – wenn auch nicht unbedingt innerhalb der vier Wände. Ein mindestens zwei Quadratmeter großes, zur Aufbewahrung von Textilien und Büchern nutzbares Abteil sollte unbedingt vorhanden sein, ebenso Abstellräume für den Fuhrpark.

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www.diepresse.com/meingeld

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2017)