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Co-ops in NYC: Interviews für Herrl und Hund

18.08.2017 | 18:22 |   (Die Presse)

Die Aufnahmeprüfungen für potenzielle Bewohner werden immer skurriler.

The Dakota in NYC: Wer hier sein Domizil aufschlagen will, muss eine rigorose Eignungsprüfung durchlaufen.
The Dakota in NYC: Wer hier sein Domizil aufschlagen will, muss eine rigorose Eignungsprüfung durchlaufen. / Bild: (c) EPA (PETER FOLEY) 

Es gibt gute Adressen, sehr gute Adressen und legendäre Adressen: Zu Letzteren zählen unter Eingeweihten einige der berühmten Co-ops in New York Cities Upper East und Upper West Side. Der Fachmann erkennt sie an Adressen wie 960 Fifth Avenue, 740 Park Avenue oder 435 East und 52nd Street. Wie bei Popstars gilt es aber auch in der Welt der Immobilien als Ritterschlag, wenn im Briefkopf gar keine Adresse mehr aufgeführt werden muss, sondern nur noch ein Name reicht. Wenn dort beispielweise „The Dakota“ steht, hat man in der Lotterie der Luxusimmobilien den Jackpot gewonnen. Das Gebäude an der Ecke Central Park und 72nd Street wurde zwischen 1880 und 1884 im Stil der französischen Renaissance entworfen und vom selben Architekten gebaut, der auch das Plaza Hotel entworfen hat. Zu den Bewohnern des Hauses gehörten unter anderem John Lennon, Lauren Bacall, Judy Garland und Rudolf Nurejew, um nur einige Namen zu nennen.

Solch illustre Herrschaften suchen sich gern aus, mit wem sie Tür an Tür leben – und in den Co-ops (nicht nur) von Manhattan können sie das auch. Denn neue Mitbewohner müssen in diesen Kooperativen – deren Mitglieder das Haus gemeinsam besitzen und lediglich ein Nutzungsrecht für eine bestimmte Einheit haben – von der Hausbewohnergemeinschaft gebilligt werden.

 

Strenge Prüfungen

Weshalb die Götter vor den Einkauf in die legendären Gemeinschaften ein oder mehrere Interviews mit dem gefürchteten „Board“ gesetzt haben – über dessen Bestehen bereits Bücher geschrieben worden sind. Fragen nach der Bonität und einem sauberen Führungszeugnis gehören dabei zum Eingangs-Small-Talk; wer wirklich an eine der legendären Adressen ziehen will, muss zutiefst Persönliches von sich preisgeben und die Jury davon überzeugen, der perfekte potenzielle Nachbar zu sein.

Und das gilt nicht nur für die zweibeinigen Bewerber. Wie jüngst die „New York Times“ berichtet hat, gibt es in manchen Häusern inzwischen auch eigene Interviewer für potenzielle Haustiere, weshalb bei der Vorbereitung auf das Interview ein entsprechendes Hundetraining keinesfalls außer Acht gelassen werden sollte. „Zusätzlich zu den endlosen Fragen über die Finanzen, was man macht, wen man kennt oder nicht kennt, verlangen viele Boards nun Hunde-Interviews in der Hoffnung, so künftige Probleme zu vermeiden“, schreibt „New York Times“-Autorin Kahleen Beckett. „Zu diesen Problemen gehören Hunde, die den ganzen Tag bellen oder die Nachbarn erschrecken.“

Was mittlerweile laut Beckett zu skurrilen Vorgehensweisen unter Hundebesitzern mit Co-op-Wunsch führt: So würden DNA-Tests gemacht, um den Stammbaum nachzuweisen, Fotoshootings gebucht, um Wuffi in bestem Licht zu präsentieren, oder gar wahlweise Therapeuten besucht oder Xanax verabreicht, um das Tier zu einem ruhigen Vertreter seiner Art zu machen. Andere setzen ihre Vierbeiner auf Diät, da viele Wohnanlagen in den USA eine Gewichtsbeschränkung für Hunde haben.

 

Depressive Hunde

Und wieder andere versuchen, sich über den Hund in die begehrte Wohngemeinschaft hineinzutricksen. Denn obwohl die Co-op-Boards Mensch wie Tier aus ziemlich jedem erdenklichen Grund ablehnen können, darf es sich nicht um eine Diskriminierung handeln – wie beispielsweise jede Art von Behinderung oder Erkrankung. „Manche versuchen, Probleme zu umgehen, indem sie Depressionen bei ihrem Hund anführen“, wird der Anwalt Steve D. Sladkus in der „New York Times“ zitiert – was inzwischen dazu geführt hat, dass Besitzer angeblich depressiver Hunde ein Attest des Tierarztes vorlegen müssen.

Wenn es trotz aller Tricks nichts wird, befindet man sich dennoch in illustrer Gesellschaft. Denn auf der Liste der abgelehnten Bewerber des Dakota stehen so klingende Namen wie Melanie Griffith und Antonio Banderas, Gene Simmons oder Billy Joel. (SMA)

CO-OPS

Im Unterschied zu Eigentumswohnungen erwirbt man in den legendären „Co-ops“ in New York City nicht eine bestimmte Wohnung, sondern einen Anteil einer Kooperative, die das Haus gemeinsam besitzt. An den rigorosen „Aufnahmeprüfungen“ der legendären Boards sind schon Berühmtheiten aller Art gescheitert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2017)