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WG-Wohnen mit Alltagsmanager

22.09.2017 | 15:41 |  Von Ursula Rischanek (Die Presse)

Hausgeschichte. Gemeinschaft, Öffentlichkeit und Nachhaltigkeit: Das Seniorenwohnhaus St. Cyriak in Pfarrwerfen setzt darauf nicht nur in der Pflege, sondern auch in der Architektur.

Viel gemeinsam nutzbarer Platz im Freien, Gemeinschaftsraum und Terrasse (oben rechts), Pfarrgemeindesaal (unten).
Viel gemeinsam nutzbarer Platz im Freien, Gemeinschaftsraum und Terrasse (oben rechts), Pfarrgemeindesaal (unten). / Bild: (c) Zita Oberwalder 

Ein Haus der Begegnung sollte es sein – so lautete der Auftrag für das neben Kirche, Volksschule und Kindergarten liegende Seniorenwohnhaus in Pfarrwerfen/Pongau. Und zwar in vielerlei Hinsicht, wie Architekt Gerhard Mitterberger erzählt: „Das neue Pflegesystem des Landes Salzburg setzt auf Wohngemeinschaften. Demnach bilden jeweils zwölf Bewohner eine Wohngemeinschaft, vier davon gibt es insgesamt.“ Herzstück jeder WG ist eine zentrale, natürlich barrierefreie Wohnküche, in der die jeweiligen Bewohner gemeinsam kochen können, sowie ein großzügiger Aufenthaltsbereich. Gekocht wird übrigens mit dem jeweiligen Alltagsmanager, der darüber hinaus als Ansprechpartner fungiert und die Bewohner einlädt, den Alltag gemeinsam zu gestalten. „Ich finde dieses Konzept enorm spannend“, sagt der Architekt. Auch andere: Das Objekt wurde für den Bauherrenpreis 2018 nominiert.

Bewohner, die es gelegentlich ein wenig privater haben wollen, können sich in abgeschirmte Sitz- und Fernsehbereiche oder das eigene Reich zurückziehen. „In jedem Zimmer gibt es nicht nur Bett und Nachttisch, sondern auch eine kleine Sitzbank sowie Platz für ein persönliches Möbelstück“, sagt Mitterberger. Dass jedes eine eigene barrierefreie Sanitäreinheit hat, versteht sich von selbst. Eine nach Süden gerichtete Terrasse, die den Blick in den angrenzenden Garten ermöglicht und auf der ein Pflanztrog zum Anbauen von Kräutern, Gemüse oder Blumen einlädt, sorgen in jeder WG zusätzlich für Lebensqualität.

 

Empfangs- und Festsaal

Eine weitere Begegnungszone findet sich im Foyer des dreigeschoßigen Hauses, das vom Gemeindeverband Seniorenwohnhaus Pfarrwerfen/Werfenweng betrieben wird und Bewohnern beider Gemeinden offen steht. „Das Foyer, an das eine durch Schiebeelemente getrennte Kapelle grenzt, dient gleichzeitig als Pfarrgemeindesaal und ist somit nicht nur Empfangs- und Aufenthaltsbereich, sondern auch Festsaal“, erklärt der Architekt. Denn die Pfarre halte hier nicht nur Sitzungen, sondern auch Feste, Seminare und andere Veranstaltungen ab. „Diese Belebung ist für die Bewohner angesichts der eingeschränkten Mobilität enorm wichtig“, weiß Mitterberger. Im Anschluss an das Foyer befinden sich die Büro-, Verwaltungs- und Personalräume.

 

Offener Garten

Der offene Charakter, der durch die großflächigen Fenster in den einzelnen Zimmern sowie Glasflächen in den Gemeinschaftsräumen verstärkt wird, setzt sich im Außenbereich fort: „Der Garten ist nicht eingezäunt“, erklärt Mitterberger. Dass daher die Schüler der nahen Volksschule hier einen Abschneider nehmen, ist ganz im Sinn der Planer und Bewohner: eine willkommene Abwechslung.

Nachhaltig ist auch das in Mischbauweise errichtete Gebäude, das übrigens für den diesjährigen Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs nominiert ist. Tragende Wände und Decken sind aus Beton, damit wird eine hohe Schallschutzqualität geboten. Die Außenwände bestehen aus hochwärmegedämmten Holzriegelwänden mit einer Verschalung aus rauen Lärchenholzbrettern. „Die Holzfassade ist pflegeleicht und gibt dem Gebäude den speziellen regionalen Charakter, ohne volkstümlich zu wirken“, freut sich Mitterberger. Nicht tragende Zwischenwände und Installationswände wurden zum Wohnbereich ebenfalls mit Holztafeln verkleidet. Die Möbel sowie verschiedene Deckenelemente bestehen ebenfalls aus Lärche.

 

Niedrigenergiehausstandard

Holz spielt auch bei der Beheizung eine Rolle: Diese erfolgt über das mit Hackschnitzeln betriebene Nahwärmeversorgungsnetz der Gemeinde, eine Fotovoltaikanlage am Dach sowie einer Elektrotankstelle decken den Strombedarf des Hauses. Weiters gibt es eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. „Das Gebäude hat Niedrigenergiehausstandard, für ein Passivhaus geht es sich ganz knapp nicht aus“, sagt Mitterberger. Er hat vor einigen Jahren bereits ein ähnliches Projekt in Eggersdorf bei Graz umgesetzt: Auch dieses Seniorenwohnhaus für 40 Bewohner ist als Wohngemeinschaft konzipiert und bietet einen bewussten Nutzungsmix.

Zum Objekt

Das Seniorenwohnhaus Sankt Cyriak in Pfarrwerfen/Werfenweng im Salzburger Pongau wurde 2016 fertiggestellt und heuer für den Bauherrenpreis (der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs) 2018 nominiert. Auf rund 3000 m2 befinden sich vier Wohngemeinschaften für jeweils zwölf Personen mit Gemeinschaftsküche. Barrierefreiheit und großzügige Freiflächen, der integrierte Pfarrgemeindesaal sowie die nahe Volksschule und der Kindergarten sorgen für einen belebenden Alltag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2017)