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Da schlägt das Architekturherz höher

28.09.2017 | 18:34 |  von Cornelia Holzbauer (Die Presse)

München. Wer die Immobilienmesse Expo Real vom 4. bis 6. Oktober in der bayerischen Hauptstadt besucht, findet nicht nur dort architektonische Meisterwerke. Eine Auswahl.

Das Rathaus am Marienplatz oder die Allianz Arena sind typische Touristenmagnete in München. Die sind allerdings schnell abgegrast und für wahre Architektur-Begeisterte zu beliebig. Zum Glück hat die süddeutsche Großstadt noch Einiges mehr zu bieten.

Nicht nur etwas für Auto-Fans: Bei der BMW-Welt am Olympiapark im Norden von München wurden Design und Funktion geschickt vereint. Das riesige solarbetriebene Dach scheint zu schweben – in Wirklichkeit wird es von zwölf Pendelstützen aufrecht gehalten. Schon der Eingang ist imposant: ein Doppelkegel. Übrigens: Wer nach der Expo Real noch eine Weile in München bleiben will, kann am 14. Oktober bei der Langen Nacht der Museen auch bei BMW vorbeischauen. Dort können Kreative unter anderem ein paar Karosserien mit Airbrush-Geräten besprühen.


Exklusiv ist die Sammlung

In der Sammlung Goetz in der Oberföhringer Straße trifft zeitgenössische Kunst, die nur nach Online-Voranmeldung zu bewundern ist, auf futuristisches Gebäudedesign. Der zweistöckige Quader, der in einem umzäunten Parkgelände steht, ist geschichtet. Unten und oben Glas, der verputze Mittelteil scheint zu schweben. Um so viel Kunst wie möglich unterzubringen, wurde der Keller ausgebaut. Die Bauvorschriften verboten ein höheres Gebäude. Zu finden ist hier Kunst junger Briten und Amerikaner ab den 1960er-Jahren.

Wer hohe Gebäude mag, sollte den Highlight Towers einen Besuch abstatten. Die von den Chicagoer Architekten Charles Murphy und Helmut Jahn realisierten Solitärs bestechen mit viel Glas und 33 beziehungsweise 28 Stockwerken bei einer Höhe von 126 und 113 Metern. Sie gehören damit zu den höchsten Gebäuden in München – was nicht schwer ist, weil eine Bürgerinitiative 2004 den Bau von weiteren Gebäuden mit über 100 Metern Höhe verhinderte. Jahn ist auch für den Flughafen in Bangkok, den Veer Tower in Las Vegas und den Frankfurter Messeturm verantwortlich.


Prunk, Protz und Gebete

Architektur-Affine, die ein Gebet gen Himmel schicken wollen, können dies in der geradezu grotesk modernen Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Neuhausen tun. Pfarrer Hans Späth beschreibt den Sakralbau als „der jungen Generation entsprechend“, der „überzeugend und einfallsreich in die kirchliche Zukunft weist.“ Große Worte. Die Architekten Allmann, Sattler und Wappner vergleichen die Kirche mit einem „überdimensionalen Kristall“, dessen Fassaden sich von transparent zu opak verändern. Haushohe Tore, viel Glas und quadratische Flächen komplettieren den eher kirchenuntypischen Look.

Prunk, Protz, Modernisierung: Das Palais an der Oper, ein klassizistischer Leo-von-Klenze-Bau, wurde 2015 grundsaniert und strahlt jetzt innerlich in neuem Glanz. Weißer Marmor und beleuchtete Wände blenden Besucher und potenzielle Mieter. In der ehemaligen Residenzpost sind nicht nur Büroräume und Gastronomie beheimatet, sondern auch Mietwohnungen. Für 4600 Euro im Monat lässt sich dort eine 87 Quadratmeter große Maisonette mieten. Opernnähe und Status inklusive.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2017)